Magdeburg erleben

Magdeburger Dom

Deutschlands ältester gotischer Dom – Grabstätte Kaiser Ottos I., Wahrzeichen Magdeburgs und eines der bedeutendsten Sakralgebäude Norddeutschlands.

Geschichte des Magdeburger Doms

Der Magdeburger Dom – offiziell Dom St. Mauritius und Katharina – hat eine über 800 Jahre alte Baugeschichte. Seine Ursprünge gehen auf ein Kloster zurück, das Kaiser Otto I. im Jahr 937 auf dem Domhügel über der Elbe gründete. Otto nutzte das Kloster als geistliches Zentrum seines Reiches und ließ es zur Kathedrale des neu gegründeten Erzbistums Magdeburg aufwerten, das 968 offiziell eingerichtet wurde.

Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1207 beschlossen die Erzbischöfe, den Dom vollständig neu zu bauen – diesmal im aufkommenden gotischen Stil, der aus Frankreich nach Deutschland schwappte. Der Grundstein für den gotischen Neubau wurde 1209 gelegt, der Bau zog sich über mehr als 150 Jahre hin und wurde 1363 mit der Weihe des Gesamtbauwerks abgeschlossen. Damit ist der Magdeburger Dom der älteste gotische Dom auf deutschem Boden.

Im Dreißigjährigen Krieg blieb der Dom weitgehend verschont – die Magdeburger Hochzeit 1631, bei der 25.000 Einwohner ums Leben kamen und die Stadt brannte, beschädigte den Dom, vernichtete ihn aber nicht. Im Zweiten Weltkrieg wurden 1945 die umliegenden Kirchen und große Teile der Innenstadt zerstört, der Dom selbst überstand die Bombardierungen mit vergleichsweise geringen Schäden.

Architektur & Besonderheiten

Der Dom beeindruckt schon von außen durch seine zwei ungleich hohen Türme: Der Nordturm misst 100,98 m, der Südturm 101,19 m – beide überragen das Stadtpanorama weithin sichtbar. Die mächtige Westfassade mit dem Hauptportal ist der erste Blickfang; über dem Eingang thronen steinerne Figuren aus dem Mittelalter, darunter die berühmten klugen und törichten Jungfrauen, eines der bedeutendsten Bildhauerwerke des Hochmittelalters.

Im Inneren fasziniert das lichtdurchflutete gotische Langhaus mit seinen schlanken Pfeilern und hohen Spitzbögen. Besondere Schätze sind:

  • Das Grabmal Kaiser Ottos I. und seiner Gemahlin Editha – das einzige erhaltene Kaisergrab aus dem 10. Jahrhundert in Deutschland
  • Der Ernst-Barlach-Gedenkstein für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs – ein eindringliches Relief des expressionistischen Bildhauers
  • Der romanische Kreuzgang aus dem 12. Jahrhundert, der noch von der Vorgängerkirche stammt
  • Mittelalterliche Skulpturen und Grabplatten von Erzbischöfen und Adeligen
  • Eine der größten Domorgeln Sachsen-Anhalts mit mehreren Tausend Pfeifen

Kaiser Otto I. – Das Kaisergrab

Kaiser Otto I. (912–973) ist die historische Leitfigur Magdeburgs. Er gründete 936 das Kloster auf dem Domhügel, erhob Magdeburg 968 zum Sitz des neuen Erzbistums und machte die Stadt zur östlichen Einfalltür des Heiligen Römischen Reiches. Sein bekanntestes Standbild – der Magdeburger Reiter – steht heute auf dem Alten Markt (das Original im Kulturhistorischen Museum).

Ottos Grab im Dom ist einzigartig: Als er 973 starb, wurde er auf seinem ausdrücklichen Wunsch im Magdeburger Dom beigesetzt – und ist damit der einzige Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, der in einem ostdeutschen Dom ruht. Das Grabmal aus weißem Marmor stammt zwar nicht aus Ottos Zeit, sondern aus dem 13. Jahrhundert, markiert aber die ursprüngliche Grablege. Auch seine erste Gemahlin Editha von Wessex (Tochter des englischen Königs Eduard des Älteren) liegt hier begraben – 2008 wurden ihre sterblichen Überreste identifiziert und wissenschaftlich untersucht.

Königin Editha – Die englische Gemahlin im Dom

Neben Kaiser Otto I. ist Editha (auch Edgith oder Eadgyth) die zweite große historische Persönlichkeit, deren Grablege den Magdeburger Dom auszeichnet. Sie war eine angelsächsische Königin aus dem Haus Wessex und wurde 929 mit Otto vermählt, lange bevor dieser zum Kaiser gekrönt wurde. Die Verbindung war auch politisch bedeutsam: Sie knüpfte ein dynastisches Band zwischen dem ostfränkischen Reich und dem angelsächsischen England.

Editha starb bereits 946 und wurde im Vorgängerbau des heutigen Doms beigesetzt – über drei Jahrzehnte vor ihrem Gemahl. Ihre Gebeine wurden im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebettet. Eine wissenschaftliche Sensation ergab sich, als ihr Grabmal im Dom 2008 geöffnet wurde: In einem Bleisarg fanden sich tatsächlich menschliche Überreste, die durch Isotopenanalysen dem Aufwachsen im Süden Englands zugeordnet werden konnten. Damit gelten die Knochen als die ältesten erhaltenen einer Angehörigen des englischen Königshauses – ein Befund von internationaler Bedeutung.

Für Besucherinnen und Besucher macht diese Doppelgrablege den Dom zu einem Erinnerungsort, der weit über die Stadtgrenzen hinausreicht: Hier treffen sächsische, fränkische und englische Geschichte des frühen Mittelalters aufeinander. Wer den Chorraum betritt, steht buchstäblich an der Wiege des ersten römisch-deutschen Kaisertums.

Öffnungszeiten & Besuchsinfos

Der Dom ist das ganze Jahr über für Besucher geöffnet; lediglich während Gottesdiensten und kirchlichen Feiern ist der Besucherzugang eingeschränkt. Aktuelle Öffnungszeiten, Führungsangebote und Veranstaltungen finden Sie auf der offiziellen Website magdeburger-dom.de.

Eintritt

Der Eintritt in den Dom ist grundsätzlich kostenlos, um Spenden wird gebeten. Für Turmbesteigungen, Krypta-Führungen und Sonderführungen können Entgelte anfallen – bitte direkt beim Dom anfragen.

Anfahrt & Parken

  • Adresse: Am Dom 1, 39104 Magdeburg
  • Straßenbahn: Linien 1, 6, 10 – Haltestelle „Domplatz"
  • Auto: Parken im Tiefgaragenparkhaus am Breiten Weg oder Parkhaus am Domplatz (kostenpflichtig)
  • Fahrrad: Ständer am Domplatz vorhanden; Elberadweg führt direkt am Domhügel entlang

Der Domplatz – Herz der Altstadt

Direkt vor dem Dom erstreckt sich der Domplatz, einer der schönsten Plätze Magdeburgs. Von hier aus hat man den besten Blick auf die Domfassade und die beiden Türme. Im Sommer finden hier regelmäßig Konzerte, Märkte und kulturelle Veranstaltungen statt – darunter die beliebten Domfestspiele, bei denen Open-Air-Opern auf dem Platz aufgeführt werden.

Rund um den Domplatz befinden sich weitere Sehenswürdigkeiten:

  • Kloster Unser Lieben Frauen (ca. 5 Gehminuten) – das älteste erhaltene Gebäude Magdeburgs, heute Kunstmuseum
  • Grüne Zitadelle (ca. 10 Gehminuten, Breiter Weg) – Hundertwassers letztes Werk
  • Alter Markt mit Magdeburger Reiter (ca. 8 Gehminuten)
  • Elbuferpromenade (ca. 3 Gehminuten bergab) – mit Blick auf die Elbe

Kunstschätze im Überblick

Der Magdeburger Dom ist nicht nur ein Bauwerk, sondern auch ein begehbares Museum mittelalterlicher und neuzeitlicher Kunst. Über die Jahrhunderte sammelten sich hier Bildwerke, die zu den bedeutendsten ihrer Epoche zählen. Ein bewusster Rundgang lohnt sich, denn viele der Schätze erschließen sich erst auf den zweiten Blick.

Zu den künstlerischen Höhepunkten gehören:

  • Die klugen und törichten Jungfrauen am Paradiesportal – zehn ausdrucksstarke Figuren aus dem 13. Jahrhundert, die ein biblisches Gleichnis in Stein übersetzen und für ihre lebendige Mimik berühmt sind.
  • Das Kaisergrab Ottos des Großen im Chorraum – schlicht gehalten und gerade dadurch von großer Würde.
  • Der Ernst-Barlach-Gedenkstein von 1929 – ein Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, das durch seine schmucklose, eindringliche Formensprache bewegt.
  • Die Bronzegrabplatten und Epitaphien der Erzbischöfe, die einen Eindruck von der einstigen Bedeutung Magdeburgs als kirchlichem Zentrum vermitteln.
  • Der 16-seitige Taufstein aus Porphyr, ein Werk von außergewöhnlicher Herkunft, das die weitreichenden Handelsbeziehungen des Mittelalters bezeugt.

Wer sich für diese Werke näher interessiert, sollte eine Fachführung in Betracht ziehen. Geschulte Domführerinnen und Domführer ordnen die Kunstwerke in ihren historischen Zusammenhang ein und machen Details sichtbar, die beim freien Rundgang leicht übersehen werden. So wird aus einem kurzen Besuch ein tieferes Verständnis für die europäische Kunst- und Geistesgeschichte, die sich in diesen Mauern verdichtet.

Praktische Tipps für den Dombesuch

  • Beste Tageszeit: Vormittags vor 11 Uhr ist deutlich weniger los als nachmittags; das Licht im Inneren ist dann besonders gut.
  • Führungen: Regelmäßige Führungen bieten Tiefgang zur Geschichte – unbedingt vorab auf der Website buchen, besonders in der Reisesaison.
  • Turmbesteigung: Wer die Türme besteigen möchte, sollte gute Trittsicherheit mitbringen; die Aussicht über Magdeburg und die Elbe ist den Aufstieg wert.
  • Fotografie: Im Inneren ist Fotografieren für private Zwecke erlaubt; Blitzlicht und Stative können eingeschränkt sein.
  • Domfestspiele: Tickets für die Sommeraufführungen früh buchen – sie sind regelmäßig ausverkauft.
  • Kombination mit Innenstadt: Der Dom liegt fußläufig von Domplatz, Alter Markt, Grüner Zitadelle und Kloster Unser Lieben Frauen – ein halber Tag reicht für einen kompletten Rundgang.

FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Magdeburger Dom

Im Magdeburger Dom ruht Kaiser Otto der Große, der nach seinem Tod im Jahr 973 im Chorraum beigesetzt wurde. An seiner Seite fand bereits 946 seine erste Gemahlin, die angelsächsische Königin Editha, ihre letzte Ruhestätte. Damit ist der Dom die Grabkirche des ersten römisch-deutschen Kaisers und ein zentraler Erinnerungsort der europäischen Geschichte.

Der Magdeburger Dom gilt als die erste von Anfang an gotisch konzipierte und am frühesten vollendete Kathedrale der Gotik auf deutschem Boden. Berühmt ist er zudem als Grablege Kaiser Ottos des Großen und seiner Gemahlin Editha sowie für seine bedeutenden Kunstschätze, darunter die Figuren der klugen und törichten Jungfrauen. Mit über 100.000 Besuchern jährlich zählt er zu den herausragenden Wahrzeichen Magdeburgs und Sachsen-Anhalts.

Der Grundstein des heutigen gotischen Doms wurde im Jahr 1207 gelegt, der Bau begann ab 1209 als Kathedrale des Erzbistums Magdeburg. Geweiht wurde der Dom 1363, vollständig fertiggestellt erst 1520 nach einer Bauzeit von über drei Jahrhunderten. Damit ist er die älteste gotische Kathedrale Deutschlands.

Die beiden Türme des Magdeburger Doms erreichen eine Höhe von rund 104 Metern und prägen die Stadtsilhouette weithin sichtbar. Das gesamte Bauwerk ist etwa 117 Meter lang und 40 Meter breit und gehört damit zu den größten Kirchenbauten Deutschlands. Der Nordturm kann im Rahmen von Führungen teilweise bestiegen werden.

Ja, der Magdeburger Dom ist als evangelische Kirche für Besucher geöffnet und kann besichtigt werden. Regelmäßig werden öffentliche Führungen angeboten, die unter anderem zum Kaisergrab, in den Kreuzgang und zu den Kunstschätzen führen. Da sich Öffnungs- und Führungszeiten ändern können und der Dom an Sonn- und Feiertagen erst später öffnet, empfiehlt sich vor dem Besuch ein Blick auf die offiziellen Seiten der Dom- oder Tourismusinformation Magdeburg.

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